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Über das Original der "Double Ugly" noch Worte zu verlieren, ist unter Modellflugzeugbauern wohl überflüssig. Und da wir hier "unter uns" sind, belasse ich es dabei und verweise den Interessierten auf den Wikipedia-Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/F-4_Phantom
Der Tamiya-Bausatz ist einer der teureren Plastikbausätze - oft werden dafür über 140 Euro verlangt, eigentlich deutlich über der Schmerzgrenze, doch das bekannte Online-Auktionshaus machte es auch hier wieder einmal möglich. Die preiswertere Alternative dazu kommt in diesem Fall von Revell. Der Bausatz des Mitbewerbers liegt bereits in meinem Keller und wartet darauf, sich mit dem Tamiya-Kit zu messen. Ich bin gespannt, denn beim teureren Tamiya-Bausatz gibt es Licht und Schatten.
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Begonnen wurde wie üblich mit dem Cockpit. Ergänzende Literatur zur Bauanleitung ist hier Pflicht. Die Farbangaben von Tamiya gehen leider kaum ins Detail und beziehen sich nur auf das Tamiya-Farbsortiment. Doch bei diesem gut dokumentierten Klassiker im 1971er-Navy-Farbschema ist das kein großes Problem. Zusätzliche Detaillierungen wurden in Form von etlichen beim Vorbild gut sichtbaren Leitungen vorgenommen. Die Schleudersitze sind ein Schwachpunkt des Bausatzes und bestenfalls ausreichend, wenn die beiliegenden Pilotenfiguren die direkte Sicht darauf versperren. Ich entschied mich aber für leere Cockpits und zur Verfeinerung für das Eduard-Set, doch rückblickend wäre ich mit komplett neuen Resinsitzen besser bedient gewesen. Das stundenlange Falzen von Gurten und Schnallen gehört sicher nicht zu meinen modellbauerischen Sternstunden. Mit dem Eduard-Set erhöht sich die finanzielle Schreckensbilanz der Tamiya-Phantom um weitere 17 Euro.
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Nach Lackierung, Washing, Trockenbürsten und Mikrobemalung verschwindet das Cockpit erstmal unter einer Haube aus Klebeband, um bei den folgenden Arbeiten am Rumpf nicht beschädigt zu werden.Die weiteren Bauarbeiten verliefen im Wesentlichen problemlos. Durch die verwendete Flüssigklebertechnik mit Ethylacetat und die ordentliche Passgenauigkeit waren überhaupt keine Spachtelarbeiten notwendig. Der Rumpf liegt dem Bausatz nicht in Form der sonst üblichen Halbschalen bei, sondern ist nahezu "am Stück" gespritzt - sicher eine formenbautechnische Herausforderung. Da Rumpf- und Tragflächenunterseite ebenfalls ein Bauteil sind, entfallen viele potentielle Spalten und auch die Ausrichtung der Flächen im richtigen Winkel ist gewährleistet. Die Passgenauigkeit dieser beiden großen Bauteile ist hervorragend. Ich habe sie noch vor dem Zusammenbau lackiert, denn die Aufteilung der Bauteile entspricht bei diesem Farbschema genau den Farbgrenzen, das gilt ebenfalls für die Teile im Bereich der Schubdüsen, die beim Original aus Gründen der Hitzebeständigkeit aus unlackiertem Titanblech sind. Das spart viel Arbeit und Maskierband! Nach dem Verschrauben von Rumpf, Unterseite, den beiden Tragflügeloberseiten und dem Heck ließ ich mit einem Pinsel per Kapillarwirkung Ethylacetat in den Spalt fließen - fertig. Spachtelmasse? Unnötig! Ein weiterer Vorteil der Verschraubungen ist, dass ein probeweiser Zusammenbau zu Testzwecken problemlos möglich ist.
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Eine Problemstelle der F-4 sind naturgemäß die Lufteinläufe. Entweder ist es dem Modellbauer egal, dass man eine Kante sieht, wenn man direkt von vorne hinein schaut, oder aber man verschleift diese Stellen mühevoll, oder man gibt viel Geld für teure Resinteile aus - oder man deckt die Lufteinläufe ab, wie es beim großen Vorbild bei abgestellten Maschinen auch üblich ist. Mir ist die Kante egal :-)In der Hoffnung, dass der angegebene Tamiya-Farbton zu den blauen Decals passt, kaufte ich die entsprechende Farbe, doch leider war dem nicht annähernd so. Schade, die Konkurrenz von Hasegawa oder Revell schafft das meistens ganz gut. Also war mühevolles Mischen von Hand angesagt, damit die blau lackierten Flächen zu dem blauen Rumpfband und dem Seitenleitwerk vom Decalbogen passen. Nach einem Future-Tauchbad für den ungetrübten Durchblick und entsprechender Maskierung wurden auch die Cockpithaube und die Rahmen dafür blau lackiert.Lackiert wurde somit also mit einem Farbmix von Tamiya, Model Master und Revell, für die Metallflächen wurde Alclad II verwendet. Diese Metallfarbtöne sind unübertroffen. Dann folgte eine Schicht Marabu-Klarlack, um eine hochglänzende Oberfläche zu erhalten. Diese ist dann Grundlage für die Decals. Auf der glatten Oberfläche liegen die Decals ohne Lufteinschlüsse auf und Silvering wird vermieden. Weichmacher war trotzdem erforderlich, den die Tamiya-Decals sind (wie leider oft bei diesem Hersteller) etwas widerspenstig. Die Druckqualität empfinde ich ebenfalls als etwas grob auflösend, insbesondere im Bereich der Stencils auf den Raketen. Die Walkways auf dem Rumpfrücken wurden dann auch auflackiert, statt die entsprechenden Decals zu verwenden.
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Als alle Decals angebracht waren, folgte die nächste Schicht Klarlack, die Basis für das Hervorheben der Panellines. Hierzu kam stark verdünnte Tusche zum Einsatz. Dann wurden die Panellines zusätzlich mit einem Gemisch aus Klarlack und einem Tropfen Schwarz mit der feinen 1,5mm-Düse geairbrusht. Schließlich wurden mit weißen Farbpigmenten noch einige Akzente gesetzt und verschiedene Lackabplatzer und sonstige Alterungsspuren mit dem Pinsel aufgetragen. Anschließend kam der finale Auftrag von seidenmattem Klarlack, bis der gewünschte Mattigkeitsgrad erreicht war (die Oberseite ist den Witterungseinflüssen naturgemäß stärker ausgesetzt).Schließlich wurden die letzten Komponenten des Modells montiert - Fahrwerk, Tanks, Raketenbewaffnung, Klappen, Cockpithauben. Eigentlich wollte ich auch die Luftbetankungssonde ausgefahren darstellen, doch deren grobe Darstellung überzeugte mich schließlich, dies besser bleiben zu lassen.Fazit: Ein problemloser Bausatz, den der anspruchsvolle Modellbauer aber nicht ohne zusätzliche Detaillierungen bauen wird. Wünschenswert wären bei einem Bausatz dieser Preisklasse separate Vorflügel, Steuerflächen und Landeklappen (nur ein Klappensegment kann hier optional ausgefahren dargestellt werden). An manchen Stellen ist die Detaillierung dürftig, hierzu gehören insbesondere die Sitze, die Luftbetankungssonde und die Außenlasten. Die Qualität des Decalbogens lässt ebenfalls zu wünschen übrig, sowohl was die Druckqualität als auch die Verarbeitungseigenschaften betrifft. Dafür ist die Passgenauigkeit an den Stellen, wo es drauf ankommt, ausgezeichnet. Die Baugeschwindigkeit ist überdurchschnittlich hoch, da keine großflächigen Maskierungen anfallen und nichts verspachtelt werden muss. Trotzdem: Wenn es sich lohnen soll, für dieses Modell den drei- bis vierfachen Preis des Revellmodells zu zahlen, müsste der Revell-Bausatz schon verdammt schlecht sein... vom Preis-Leistungs-Verhältnis des hier vorgestellten Tamiya-Bausatzes bin ich jedenfalls enttäuscht, auch wenn ich mit meinem Ergebnis letztendlich recht zufrieden bin. Und dafür, dass der imposante Vogel nicht in meine Vitrine passt, kann Tamiya wirklich nichts :-)
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© T.Plösser 2007
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