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RF-4E  PHANTOM

”35+76” , AG52, Sonderanstrich zum ”Tigermeet 1983”

kit: REVELL

by Chris "the ripper" Novak

Nachdem ich, ja ich...................als einst “eingefleischter” Prop-Fan!.... beim Bau meiner “Tigermeet TORNADO” gar fürchterlich vom “Jet-Virus” infiziert wurde stolperte ich auf der gerade laufenden “Modellbau Bodensee” im November 2006 über einen gerade erschienenen REVELL Bausatz in 1/72 welcher ebenfalls einen Tigermeet-Vogel darstellte...........und was für einen! Eine “Hammer –Phantom” in Aufklärerversion vom AG 52 mit Sonderanstrich zum Tigermeet 1983...........und schon schoß mir wieder eine meiner (von meiner Frau so gefürchtete) Ideen durch den Kopf:......... wie der wohl in 1/32 kommt?................ein Modellbaukollege hatte sich den 1/72er Bausatz gerade besorgt, und nachdem ich freundlicherweise den Inhalt etwas “fleddern” durfte um einen genaueren Blick auf die Bemalungsanleitung zu werfen stand dann ziemlich schnell fest: eine Phantom musste es als nächstes sein. Nachdem ich nach wie vor nur Prop-Bausätze in meinem “Vorratsschrank” habe ( wird sich bald ändern) musste ein Kollege mit einem alten REVELL-Bausatz aus seinem Fundus weiterhelfen, und schon konnte es an die nächste Aufgabe des Projektes gehen:....... Recherche. Denn natürlich sollte auch dieses Modell ein “Cutaway” werden, wie bei mir üblich steuerbordseitig aufgeschnitten von gaaaanz vorne bis gaaaanz hinten, außerdem wollte ich bei diesem Projekt mal antesten was “modellbautechnisch” eigentlich so machbar ist und beschloß daher den Vogel bis ins “tiesfte Innere” zu zeigen, z.B. eines der Triebwerke selbst ebenfalls als Cutaway auszulegen um Verdichterblätter usw zu zeigen und das Ganze auch noch zum laufen zu bringen ( also net in echt jetzt.....so mit Feuer und so...........aber die Verdichterräder sollten sich schon drehen)...................ach ja, diverse Positionslichter sollten auch noch funktionieren. Also wie schon erwähnt..............Recherche war angesagt, einige Stunden Internet kamen schon zusammen um z.B. die notwendigen Cutaway-Zeichnungen zu finden, außerdem wurden Unmengen von Detailfotos aus dem Netz gezogen und nicht zuletzt halfen einige Kollegen mit Büchern zum Thema Phantom. Nachdem alles Material gesammelt und sortiert war konnte es endlich mit Bauen losgehen. 

Das Triebwerk.......

............war im Bausatz von REVELL leider nicht vorhanden, womit ich also eines selbst herstellen musste. Dazu kam ein  Plastikrohr aus der Grabbelkiste zum Einsatz, die Triebwerksschaufeln sowie die Motorisierung wurden wie folgt realisiert: die Verdichterschaufeln ( oder besser: Räder) wurden aus Modellbaualuminium ( Stärke 4mm) ausgeschnitten ( im Ganzen 17 Verdichterräder plus 3 Turbinenräder) und auf den Innendurchmesser des Triebwerkrohres zugeschliffen. Danach wurden die einzelnen Schaufeln eines jeden Rades mit einer gebogenen Nagelschere eingeschnitten. Durch die Biegung der Nagelschere verbiegen sich die einzelnen Schaufeln beim Schneiden quasi “von selbst” und müssen nur noch mit einer feinen Zange oder Pinzette sauber ausgerichtet werden. Die Einzelnen Verdichterräder werden nun mit Epoxydharzkleber auf einer Messingwelle befestigt, zwischen den einzelnen Rädern kommen als Abstandshalter kleine Beilagscheiben aus Plastik zum Einsatz. Die gesamte Welle wird danach am Elektromotor befestigt welcher , kurz hinter der Cutaway-Öffnung des Triebwerks, im Rohr versteckt sitzt. Die gesamte Triebwerkseinheit ist so konzipiert daß sie, zum besseren Handling während des Rumpfausbaus, einfach in den Rumpf eingeschoben und auch wieder herausgenommen werden kann.

Das “kleine J-79” wurde außen schließlich noch nach Fotovorlagen so gut als möglich detailiert. Ich darf an dieser Stelle anmerken daß das Triebwerk , zumindest innen, nur eine äußerst grobe Abbildung der Funktionsweise eines modernen Jet-Antriebes darstellen soll und somit in keinster Weise Anspruch auf absolute und maßstabsgetreue Nachbildung erhebt, viel wichtiger war mir hier der nette Effekt der technischen Darstellung bis “in die Tiefen der Mechanik” sowie die modellbauerische Herausforderung das Ganze noch in Bewegung zu versetzen.

 

BuiltWithNOF

Der Vorderrumpf..............

............wurde in der bei meinen Schnittmodellen üblichen Vorgehensweise ausgebaut und detailiert, im Einzelnen wie folgt: die Rumpfhälften werden mit Tesaband zusammenmontiert, alle überflüssigen Öffnungen ( wie die kleinen Löcher für Antennen usw.) werden akkurat verschlossen, danach wird der Rumpf mit Modellgips ausgegossen ( ein Material welches im Hobbyladen zu bekommen ist und üblicherweise zur Herstellung von Schmuck, Masken usw. verwendet wird). Nach dem Aushärten des Materials wird eine Rumpfhälfte entfernt, mit einem Bleistift werden die Positionen der einzelnen Rippen angerissen, danach wird die zweite Rumpfhälfte entfernt und die Positionen der Rippen komplettiert. Den so entstandenen Gips-Rohling kann man nun entlang der angezeichneten Rippen mit einer Säge in einzelne “Scheiben” schneiden, und diese Scheiben dienen schlußendlich als Schablonen für die aus Plastiksheet angefertigten Rippen. Ich gebe zu, nicht ganz “unaufwendig”, aber alleine mit dieser Methode bekommt man sauber passende Rippen für den Innenausbau und vermeidet endlose Sessions von Zuschneiden, Anpassen, Nachkorrigieren und Zurechtschleifen, wieder einpassen, vielleicht nochmal korrigieren usw. Ein weiterer Vorteil dieser Methode: die einmal hergestellten Schablonen können für weitere Projekte aufgehoben werden ( vorrausgesetzt es handelt sich dabei um den gleichen Vogel vom gleichen Hersteller, ein Rumpfabguß einer REVELL Phantom dürfte mit einer TAMYA Phantom nicht funktionieren)

Nachdem also die Rippen und Spanten des Vorderrumpfes hergestellt und eingepasst waren erfolgte ein erster Bemalungsschritt, danch gings an´s ausbauen und detailieren: die Kameras des REVELL Bausatzes wurden leicht modifiziert verwendet, für diverse Aggregate und Boxen im Bereich des Cockpits verwendete ich Kleinteile aus alten Computerplatinen, Verkabelung wurde aus Kupfer- und Silberdrähten diverser Stärken angefertigt. Das Cockpit selbst stammt vom Bausatz und wurde durch Unmengen Kleinteile aufgewertet und detailiert, einzig die vordere und hintere Instrumententafel stammt aus einem Eduard Zurüstsatz.

Der Schwanz des Vogels..................

......war der nächste Bauabschnitt: das Seitenleitwerk stellte kein größeres Problem dar und wurde mit Rippen und Stringern aus Plastiksheet detailiert. Etwas mehr Aufwand war jedoch beim Höhenleitwerk von Nöten: auch das rechte Höhenleitwerk sollte “gerippt” werden, dummerweise liegen aber dem REVELL Bausatz beide Höhenleitwerke als Massivteile bei. Somit musste ein Leitwerk gescratcht werden, was aber einfacher war als gedacht: das Bausatzteil diente als Schablone für Ober-und Unterhälfte aus Plastiksheet, wiederum Rippen und Stringer einbauen...................fertig.

Der mittlere Rumpf...........

.........war das wohl Aufwendigste was ich mir bis dahin modellbauerisch “angetan” hatte ( ok, der Vorderrumpf meiner “Tigermeet-Tornado” ist auch nicht ohne, aber das hier.......................der Vogel hat mehr Knochen als ein Brontosaurus), aber auch hier ist die Vorgehensweise die bei mir “übliche”: zuerst den Abguß des Rumpfes erstellen, Rippen anzeichnen und Schablonen anfertigen und dann jede Rippe einzeln aus Plastiksheet zuschneiden und einpassen............dauert pro Rippe ca. 1 Stunde ;-) Etwas “tricky” war hier die Herausforderung die “Form” des Rumpfes auch ohne sichtbare Aussenhaut so gut als möglich zu reproduzieren und beizubehalten. Immer wieder musste auch das bereits fertiggestellte Triebwerk eingeschoben und wieder entfernt werden um sicherzugehen daß am Schluß auch ja alles passt. Ist ne Fieselei, geb ich zu, aber was tut man nicht alles für ein außergewöhnliches Modell............

Nachdem der Innenbereich rund ums Triebwerk detailiert und ausgebaut war erhielt das Ganze eine erste Lage Farbe, danach wurde das Triebwerk endgültig an seine ihm angestammte Position gesetzt ( jedoch nicht ohne vorher noch einige letzte Funktionstests gemacht zu haben) und, in diesem speziellen Fall, mit stinknormalem Fugensilikon für´s Bad großzügig verklebt, besser gesagt “eingebettet”. Das Silikon hat eine für diesen ngewöhnlichen Verwendungszweck sehr willkommene Eigenschaft: es klebt nicht nur hervorragend, es härtet ja auch “gummiartig” aus und dämmt somit  eventuell am Triebwerk auftretende Schwingungen oder Vibrationen welche sich somit nicht auf das ganze Modell übertragen.........

Die Steuerbord-Tragfläche...........

........war der letzte große Bauabschnitt des Projektes und hatte ebenfalls so ihre Tücken. Eigentlich ist die Fläche vom Aufbau her wie jede andere auch, also zwei Hauptspanten und jede Menge Rippen, jedoch ist der Bereich im vorderen Drittel der Fläche beim Original als Flächen-/ Intergraltank ausgeführt, was natürlich auch reproduziert werden wollte. Mit runden Plastikstäben wurde also die tragende/ stützende Struktur dieses Bereichs nachgebildet, der hintere Bereich des Flügels wurde mit Mechanik für Ruderanlenkungen und diversen Leitungen für Treibstoff detailiert. Zuvor jedoch wurden alle Klappen am Rohling abgeschnitten da diese ( Landeklappen und Vorflügel) in ausgefahrener Position dargestellt werden sollten. Hier unterlief mir dann dummerweise ein fataler Fehler: trotz ausführlicher und akkurater Recherche hatte ich die Vorflügel dieser Maschine als “Slats” ausgebildet, erst ein  Kollege aus dem LSP-Forum wies mich darauf hin daß die von der Deutschen Luftwaffe geflogenen “RF4-E” Phantom-Aufklärer die früherer Version dieser Vorflügel, nämlich eher “Flaps” in der Funktionsweise normaler Landeklappen, verwendeten. Zu meiner Verwunderung musste ich feststellen daß der Fehler aber weniger bei mir als vielmehr beim verwendeten Recherchematerial lag, denn trotzdem ich zu den Vorflügeln mehr als 60 Detailfotos gesammelt hatte zeigte kein Einziges davon den alten Klappenmechanismus, wovon ich mich natürlich als “Jet-Anfänger” in die Irre leiten ließ. Nachdem mir die richtigen Fotos von Kollegen zur Verfügung gestellt wurden mussten also die Vorflügel überarbeitet, oder besser “wieder entfernt” werden, und neue Flaps wurden angefertigt. Vor dem Zusammenfügen der Ober-und Unterschalen der Fläche wurde der Ausbau noch bemalt und auch die elektrischen Leitungen für Positionslichter wollten nicht vergessen werden. Die Zuleitung für die Stromkreise am Modell – einmal 3V für Turbine, einmal 3V für Beleuchtung – führen übrigens ( wie bei allen meinen Modellen) als Bremsleitungen getarnt am Fahrwerk entlang durch die Räder in die Konsole in welcher die Batterien und ein Schalter untergebracht sind.

Bemalung

Nach dem Zusammenbau aller Teile erfolgte die Bemalung nach der üblichen Vorbereitung: grundieren mit TAMYA Füller weiß ( aus der Spraydose), korrigieren eventueller Spalte durch Spachteln und Schleifen und nochmal grundieren um eine homogene Oberfläche zu erhalten. Die Lackierung selbst erfolgte mit 2K-Autolacken, zuerst wurde grob der schwarze Bereich am vorderen Rumpf gebrusht, danach die orange Fläche, zum gleichmäßigeren Decken wurde Orange 3 mal aufgetragen. Danach wurden die schwarzen Tigerstreifen mit einem weichen Bleistift angezeichnet, als Vorlage diente hier eine Kopie des Eingangs erwähnten 1/72er REVELL Bausatzes. Die einzige, dafür aber massive, Schwierigkeit bei diesem Farbschema war folgende: auf einigen Fotos dieser Maschine ist einwandfrei ersichtlich daß die Lackierung am Original “frei Hand” erfolgte, zu erkennen am ganz leichten Spritznebel der einzelnen Tigerstreifen. Somit konnte auch am Modell nicht abgeklebt werden, selbst hergestellte Decals in schwarz entfielen ebenfalls ( da diese ja auch einen scharfen Rand haben würden), blieb also nur: ebenfalls frei Hand. Die Streifen wurden wie schon erwähnt mit Bleistift leicht vorgezeichnet, danach gings mit der Airbrush, Düse 0,18 mm, ans Werk. Die schwarzen Bereiche/Streifen waren dabei gar nicht einmal das große Problem, vielmehr mußte immer wieder mit Orange außen um die Streifen korrigiert und nachgebessert werden um den Bereich des Spritznebels so klein und doch irgendwie “scharf” wie möglich zu bekommen. Einige Sessions waren schon nötig, vor allem weil dir nach etwa 2 Stunden mit der Airbrush schier der Finger abfällt, aber der Aufwand hat sich gelohnt.

Zum Schluss noch Decals drauf: die Embleme des Seitenleitwerks wurden nach Erstellung auf dem PC auf Decalpapier weiß ausgedruckt, die Kennung kam aus der Restebox eines Clubkollegen ( thanx Michael), und das war´s auch schon................mehr Markierungen hat der Vogel nicht.

Fazit: Eines meiner aufwendigsten Projekte bisher und, was den Zeitfaktor angeht, hart an der Grenze, denn nach ca. 3 Monaten fast täglichen Bauens an einem Projekt verliert man dann doch irgendwie die Lust und die Motivation.........also dann runter mit dem Vogel vom Tisch. Hat aber dennoch Spaß gemacht und schlußendlich einen “eyecatcher” hervorgebracht der schon den einen oder anderen Preis gewonnen hat.

© 2007 C. Novak

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