|
Geschichte des Plastik Modellbaus
Von S. Borzutzki
  
Die Ursprünge des Plastik - Modellbaus gehen zurück bis in die frühen 30 er Jahre, als die englische Firma Frog (Right flies off the ground), die bisher flugfähige Balsaholz - Modelle herstellte, unter dem Label Frog - Penguin Plastikmodelle auf den Markt brachte. Viele dieser Bausätze wurden bereits im heute gängigen Maßstab 1:72, aus dem Kunststoff Bakelit hergestellt. Um den Unterschied zu den flugfähigen Modellen hervorzuheben, wählte Frog den Zusatz Penguin (Pinguin), der darauf hinweisen sollte, daß diese Flugzeuge nicht fliegen können. Diese Produktgruppenbezeichnung wurde bis in die zweite Hälfte der 40 er Jahre beibehalten. Bereits vorher hatte man Holz- mit Kunststoffteilen kombiniert. 1977 ging Frog in Konkurs und die Formen wurden von der russischen Firma Novo und teilweise auch von Revell aufgekauft.
Schon in den späten 20 er Jahren betätigte sich die US-Firma Hawk mit Balsaholzmodellen, bevor sie 1946 in den Plastikmodellbau einstieg. Ihr erstes, aus einem Acetat - Kunststoff hergestellte Modell, war eine Curtiss R3C-1, im Maßstab 1:48. Außerdem setzte Hawk die Tiefziehtechnik (Vaku) ab 1957 für einen Bausatz des Zeppelin-Luftschiffes LZ-127, im Maßstab 1:247, ein.
Nachdem die Firma Revell Inc. im Jahre 1943 in Venice, Kalifornien (bei Los Angeles), gegründet wurde, befaßte man sich zunächst mit der Herstellung von Plastikspielzeug, wie z. B. Zubehör von Puppenhäusern, Miniatur -Waschmaschinen etc. Im Jahre 1947 hatte der Gründer der Firma Revell und damaliger Inbaber, Lewis H. Glaser eine revolutionierende Idee :
Aus mehreren Kunststoffteilen setzte er das erste maßstabsgetreue Plastikmodell, ein Auto, zusammen.
Ein neuer Bereich der Hobby und Freizeitindustrie war geboren.
Für 700 $ erwarb er eine kleine erfolglose Fabrik für Kunststoffleile. Das erste Modell des Mr. Glaser war der Maxwell von 1913, im Maßstab 1:16. 1953 kamen die ersten Flugzeugmodelle, damals noch in den "krummen" Maßstäben heraus. Es waren dies die F-94 C "Starfire" in 1:56, die XF7U-1 "Cutlass" in 1:59 und die F9F-6" Cougar" in 1:52. Inzwischen ist Revell weltweiter Marktführer für Plastikbausätze. Viele ältere Modellbauer erinnern sich bestinunt noch gerne an die Autoserie "Highway - Pioniers". aus den 50er Jahren.
Ende der 40 er Jahre trat eine weitere Firma in Erscheinung. Es war Renwal, die ein B-17 Modell auf den Markt brachte. Dies war jedoch eher ein Spielzeug als ein ernstzunehmendes Plastikmodell. Es folgten einige sehr interessante Bausätze, wie zum Beispiel die Pionierflugzeuge vom Anfang dieses Jahrhunderts und die Doppeldecker des 1. Welikrieges. 1979 übernahm Revell die Renwal - Formen.
Ebenfalls in dieser Periode erschien auch der Lindberg Vorgänger Empire, auf der Szene. Empire präsentierte eine Stinson Stationwagon in 1:48.
Die 50er Jahre sahen einen Boom von Herstellern auf den Markt erscheinen und teilweise auch genau so schnell wieder verschwinden. In dieser Zeit erschienen auch die Bausätze von ITC (Ideal Toy Company), Park Plastics, Premier. Keil - Craft und die deutschen Firma Plasty. in den Regalen der Händler.
1952 kam Gowland mit Schiffsbausätzen, Hillcrest mit den Bausätzen des Wright Doppeldeckers in 1:65 und des Curtiss Pushers von 1910, in 1:48, und Aurora mit einer Grumman F9-F Panther und Kopien zweier ex Hawk Bausätzen, auf den Markt. 1977 verkaufte Aurora alle Formen an Monogram.
Zwei Jahre später begann Airfix mit einer Spitfire die Produktion. Airfix war der Hersteller, der den Maßstab 1:72 weltweit einführte.
1955 produzierte Babcock Bausätze für Schiffe und Toltoy brachte im darauffolgenden Jahr ebenfalls Plastikbausätze heraus. Genauso Comet, die schon 1929 mit BaIsaholz-Flugzeugen begann und Mitte der 50er Jahre eine Serie von Plastikbausäzen auflegte, von denen die Formen 1963 an Aurora verkauft wurden.
Bereits 1945 begann Monogram mit der Produktion von Plastikbausätzen. Wie schon vorher andere Firmen, so startete auch Monogram mit Balsaholzbausätzen von Schiffsmodellen aus den 2. Welikrieg, denen man Plastikteile beilegte. 1949 präsentierte sie die "Speedee - Built" Bausätze. 1952 erschien die "Superkit" - Serie, der 1960 die ersten Flugzeugbausätze in 1:48 folgten. Die "Snap - Tite" - Modelle kamen 1970 auf den Markt.
Die für Holzbausätze bekannte Firma Strombecker fertigte den ersten Plastikbausatz 1956. Sowie im selben Jahr im Tiefziehverfahren hergestellte flugfähige Flugzeugmodelle. Ebenfalls 1956 begann auch Merit mit der Produktion Ihres ersten Modells, es war eine Hawker Hunter im Maßstab 1:47. In den folgenden Jahren kopierte Merit auch Formen von Aurora.
Eine neue Art von Plastikmodellen führte Adams in der Mitte der 50er Jahre ein. Adams bot erstmals Raketenbausätze an.
1959. beziehungsweise 1960 brachten auch KMT und Thegus Raketenbausätze auf den Markt. Doch schon bald verschwanden diese Firmen wieder in der Versenkung.
Noch vor Ende dieses Jahrzehnts bot Varney einige Schiffsbausätze und ein Boeing PT-17 an.
Neben dem Hawk LuftschiffLZ 127 fertigte der französische Hersteller Ventax ab 1959 die ersten Plastikbausätze in der neuen Tiefziehtechnik.
Der Austausch von Formen unter den einzelnen Produzenten, eine Praxis die heutzutage selbstverständlich geworden ist. Begann schon in diesem Jahrzehnt. Genauso wie das Kopieren fremder Modelle. In weitaus stärkerem Umfang als heute. Wurden Bausätze fremder Firmen neu verpackt und erschienen unverändert unter anderen Firmenlogos. Ebenfalls neu war, daß amerikanische Hersteller Kunststoffteile verchromten was der Naturtreue erheblich näher kam, als mit Silberfarbe gestrichen.
In den frühen 60 er Jahren kamen zu dem bunten Reigen der fast unzähligen Hersteller auch die französischen Firmen Brifaut (1961) und Heller. Brifaut stellte im Maßstab 1:72 die Eole von Ader, die Bleriot Xl und die Antoinette her. Aber leider produzierte Brifaut nur zwei Jahre. Heller ist bekannterweise noch immer aktiv.
In diesem Jahrzehnt stiegen auch die Asiaten verstärkt in das Geschäft mit den Plastikbausätzen ein. Teilweise auch wieder mit fremden Formen oder auch mit Kopien und in einigen Fällen der Einfachheithalber mit gekauften Bausätzen, die lediglich neu verpackt wurden. Nachfolgend um nur einige zu nennen: House - Martin (Hong Kong, Hasegawa (Japan). Fuji (Japan) und ebenfalls aus Japan Nichimo.
Die mittlerweile etwas aus dem Schattendasain herausgetretene Vakutechnik begann Anfang der 70 er Jahre richtig Fuß zu fassen. Dieses für die Kleinserienherstellung bestens geeignete Verfahren nutzten AIRFRAME (1970), Airmodel ( 1971). Rareplanes (1973) Laird (1974). Contrall (1975), By - Planes und Luftkraft (1976).
Aber auch Modelle die in einem vollig neuen Herstellungsverfahren hergestellt wurden, fanden sich Anfang der 70er in den Regalen der auf den Plastikmodellbau spezialisierten Modellbauläden; Modelle. beziehungsweise Bausätze aus Epoxydharz (Resin). Einer der Vorreiter, die diese Technik salonfähig machten war die Aero Space Model & Casting Company. Ihr schlossen sich in den nächsten Jahren fast genau so viele Hersteller an wie, bei der Vacutechnik.
Seit Anbeginn des Plastik - Modellbaus wurde natürlich auch mit den verschiedensten Kunststoffen experimentiert. Fand anfangs noch das damals hauptsächlich verbreitete Bakelit Anwendung, wird heute fast ausschließlich Polystyrol verwendet. Hierbei handelt es sich um einen hochmolekularen Stoff, der durch Polymerisation von Styrol entsteht. Styrol ist ein ungesättigter, aromatischer Kohlenwasserstoff, der u.a. im Steinkohleteer und in Pyrolyseprodukten des Erdöls vorkommt.Inzwischen gibt es viele Kleinserienhersteller die die verschiedenen Techniken in sofern nutzen, daß sie Vakuteile mit Epoxy- oder Zinnteilen kombinieren. Heute spricht man auch von "Multi - Media - Kits". Auch die schon seit den 70 er Jahre bekannte Photoäztechnik fand ihren angestammten Platz in den Bausätzen der Klein- und Großserienhersteller.
Quellen: World War I in Plastic. Brad K. Hansen
Collectors Value Guide 1983: John W. Burns
|