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Militaria-Modellbau-Ausstellung im

 Deutschen Panzermuseum in Munster

 22. – 23.05.2010

von Michael Ullmann

Modellbau-Ausstellungen in Museen haben immer einen besonderen Reiz. Zum einen ist man den Originalen, welche man als Modellbau nachempfindet, in einem Museum sehr nahe. Zum anderen und das ist für mich der wichtigste Punkt, man kann die Exponate eines Museum in aller Ruhe fotografieren um Vorlagen für seine Modelle zu erhalten. Eine Teilnahme an dieser Ausstellung bedarf schon einer gewissen Planung dauert die "Reise" doch insgesamt vier Tage. Aufgrund der Entfernung vom Bodensee nach Munster, gute 750 km, braucht es schon einen Tag für die Anreise und einen für die Abreise. Reisen sind Abenteuer, so sagt man. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob es wirklich erbaulich war nach gut 10 Stunden Autofahrt endlich am Freitagnachmittag im Museum einzutreffen. Etwa ab Göttingen waren die letzen 200 km eine echte Qual mit Autobahnstaus, Autobahnsperrungen wegen Unfällen und Umleitungen. Lektion daraus: Noch früher los fahren, solange es läuft fahren und die Pausen auf das notwendigste zu beschränken. Betritt man die Ausstellungshallen des Museums hüllt einen sofort der "Duft" der Ausstellung ein. Es ist eine schwer zu beschreibende Mischung aus dem Gummi der Laufrollen, Öl, Treibstoff und kalten Abgasen der ausgestellten Exponate. Unsere Ausstellungsfläche wurde uns direkt vor einem T-54 Panzer der NVA zugeteilt.

Besteigen unseres "Ausstellungspaten" war bedauerlicherweise streng verboten und anlehnen echt ungemütlich da in den 40 Tonnen Stahl immer noch die Kälte des Winters steckte. Das Museum begeisterte durch seine, ohne Absperrungen, frei zugänglichen Exponate. Verständlich war das Verbot des Besteigens der Exponate aus Unfallschutzgründen. Muss ich noch erwähnen, dass ein großer Teil der ausgestellten Fahrzeuge aus eigener Kraft fahrbereit ist? Verrußte Auspuffrohre sprechen eine deutliche Sprache! Zu meinem größten Bedauern wurde keines der Exponate während der Ausstellung aus eigener Kraft bewegt. Ohne Frage ist die Ausstellung in Munster die größte, reine Militaria-Ausstellung in Deutschland. Würde man dann noch die Ausstellung mit Vorführungen der fahrbereiten Exponate würzen, wäre man aus dem Stand heraus auf Weltklasse-Niveau. Hier ein paar Exponate, ohne weitere Erklärungen, da die Spezialisten ja sofort erkennen was die Bilder zeigen:

BuiltWithNOF

Wer eine Affinität zu "Dickblech" hat, wird sicher mitfühlen können, was für ein tolles Museum Munster ist und damit was es für eine gelungene Ausstellung war. Schöne Überleitung zur Modellbau-Ausstellung: entsprechend des Museums ist es eine fast Sortenreine Militaria-Ausstellung. Ab und zu gibt es mal ein "Quoten-Modell" in Form eines Schiffes oder Flugzeuges. Das Niveau ist durch die Bank gut. Ausreißer nach unten oder oben waren auch zu sehen und geben das Bild des Modellbaus sehr schön wieder. Alle Modellbauer haben ja schließlich die Stufen vom Beginner bis zum Experten selbst durchlaufen müssen. Im folgenden ein paar Fotos der Ausstellung ohne weitere Kommentare:

Neben der reinen Plastikmodellbau-Ausstellung gab es noch im Freigelände Vorführungen von RC-Modellen. Wie immer, wenn sich etwas bewegt und Geräusche macht, werden zahlreiche Besucher angelockt. Auch hier war es wieder die Ausführung der Modelle auf hohem modellbauerischen Niveau, welche das Publikum in den Bann zog, wie die folgenden Fotos zeigen

Irgendwann endet mal die beste Veranstaltung und so war es auch am Sonntag in Munster. Bemerkenswert für mich ist, dass die Organisatoren der Veranstaltung 3800 Besucher an diesem Wochenende zählten. Vergleicht man dies mit einer durchschnittlichen Jahresbesucherzahl von etwa 80.000, so ist es ein bemerkenswertes Ergebnis für den Modellbau: Die Veranstaltung hat an zwei Tagen, was etwa 0,55 % eines Jahres entspricht, dem Museum um die 5% seiner Jahresbesucherzahl gebracht!

Wenn schon die Anreise am 21.05.2010 ein "Erlebnis" der negativen Art war, so sollte doch wenigstens der Rückreisetag positiver verlaufen. Für den Rückreisetag am 24.05.2010 war ein Besuch der Gedenkstätte "Point Alpha" geplant. Die Gedenkstätte liegt bei Rasdorf, an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen, direkt an der A7. Die kleine Kaserne, welche als Point Alpha bezeichnet wurde, ist zum Museum ausgebaut worden

In der ehemals amerikanischen Einrichtung wird objektiv über die Sichtweise des westlichen Verteidigungsbündnisse zur deutsch/deutschen Grenze und dem kalten Krieg berichtet. Weiterhin werden auf dem Gelände einige Großgeräte der US Army ausgestellt

Es sind ca. 800 m der ehemaligen Grenzlinie erhalten worden, welche auch im historischen Zusammenhang den Ausbau der Grenze von einfachen Straßensperren in der direkten Nachkriegszeit bis zu den nahezu unüberwindlichen Sperranlagen mit Wachtürmen in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeigt

Folgt man dem "Grenzlehrpfad" auf dem ehemaligen Patrouillenweg der Grenztruppen kommt man zum sogenannten "Haus auf der Grenze". Hier wird das "Grenzregime" und die "DDR-Grenztruppen" sowie das Biosphärenreservat Rhön dargestellt.

Hat man sich durch beide Ausstellungsbeiträge durchgearbeitet ist die Beklemmung doch deutlich spürbar. Beide Ausstellungen zeigen schonungslos wie menschenverachtend der "Kalte Krieg" und seine Sichtbarkeit als deutsch/deutsche Grenze in Wirklichkeit waren. Habe ich als "Kind des kalten Krieges" dies nicht wahrgenommen, wahrnehmen wollen oder standen mir diese Informationen wie sie im Point Alpha vermittelt werden nicht zur Verfügung? Beantworten kann ich die mir selbst gestellte Frage nicht. Mit großem Unwohlsein sind mir aber zwei Dinge aus Point Alpha im Gedächtnis geblieben. Zum einen Sprengkammern in westdeutschen Strassen, welche im Rahmen der Operation "Stay put – Grob übersetzt: Bleib wo du bist" angelegt worden waren. Diese Sprengkammern sollten dazu dienen Gelände unpassierbar zu machen, zum einen für den Gegner, aber auch um die deutsche Bevölkerung im Kriegsfall an der Flucht aus den Städten zu hindern! Man wollte durch Flüchtlinge verstopfte Ausmarschwege wie im II. Weltkrieg verhindern!! Auf der anderen Seite die Verwendung von Antipersonenminen zur Grenzsicherung. Im Haus der Begegnung wird mit erschütternden Details exemplarisch ein tödlich verlaufender Fluchtversuch beschrieben: Nach überqueren der ersten Hindernisse tritt der Flüchtling auf eine Mine, welche ihm ein Bein abreißt. Der Schwerverletzte versucht noch ein paar Meter weiter Richtung Westen zu gelangen, verblutet aber im Todesstreifen. Am nächsten Morgen wird der Tote durch Bundesgrenzschutzbeamte gesichtet, welche dann die Grenztruppen der DDR durch Rufe auf den Toten aufmerksam machen.

Also der langen Worte kurzer Sinn: Der Besuch von Point Alpha gehört für mich eindeutig zum Pflichtprogramm jedes deutschen Staatsbürgers. Nur das Wachhalten der Erinnerung an die menschenunwürdige Zeit der deutsch/deutschen Teilung mag verhindern, dass solche Dinge wieder geschehen können.

Etwas erschöpft aber sehr zufrieden ging ein langes Wochenende zu Ende. Wir und unsere Modelle sind wohlbehalten wieder am Bodensee eingetroffen und hatten, wie man lesen kann, jede Menge zu berichten.

 

Happy Modeling

Michael Ullmann

 

© Copyright 2010 M. Ullmann / PMC-Bodensee e.V

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