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Plastikmodellbau in der Schule

Der PMCB unterstützt das Freizeitangebot der Realschule Markdorf

Als Schule mit Ganztagesangebot bietet die Realschule Markdorf ihren Schülern eine breite Palette von Möglichkeiten. Neben Frühstück und Mittagessen für die Schüler gehören dazu auch Freizeitangebote. Während in den unteren Klassenstufen hier in der Regel im Klassenverband gespielt, gebastelt oder geübt wird, können die älteren Schüler ab Klasse 7 nach Interesse aus einem breiten Angebot auswählen, das an einem Nachmittag angeboten wird. PMC-Mitglied Thomas Plösser ist dort Lehrer und betreut in der Regel 15 Schüler zwischen 12 und 15 Jahren, die sich für den Plastikmodellbau interessieren. Wir haben uns mit PMC´ler Thomas Plösser unterhalten.

PMC: Thomas, Plastikmodellbau und Schule, wie passt das zusammen?

TP: Perfekt. Modellbau fördert ja viele Skills, in denen unsere Schüler heute oft Defizite haben. Dazu gehören zum Beispiel Geduld, Ausdauer, Ordnung am Arbeitsplatz, Feinmotorik und räumliches Vorstellungsvermögen. Die Belohnung erfolgt nicht in Form von Noten, sondern als ein Ergebnis eigener Hände Arbeit, das man stolz nach hause trägt und den Eltern zeigt oder in der Schule in der Vitrine präsentiert. Solche Erfolgserlebnisse kennen “Computerkids” nicht.

PMC: Stichwort Computerkids – welche Rolle spielt denn das Elternhaus?

TP: Oh ja. Wer seinen Kindern den ersten Modellbausatz kauft, ist als Vater oder Mutter in der Regel gefordert. Man muss seinem Kind etwas im Bauplan erklären, zeigen, helfen, vielleicht selber sogar im ersten Moment überlegen. Vielleicht ist auch hinterher ein Fleck auf dem Tisch oder der Hose. Klar: eine Playstation ist da anspruchsloser. Die stellt man ins Kinderzimmer und hat seine Ruhe. Leider handeln viele Eltern so. Davon abgesehen, dass natürlich oft beide Elternteile berufstätig sein müssen oder vielleicht auch nur ein Elternteil da ist, dann sind die Kinder natürlich oft erst recht sich selbst und den elektronischen Alleinunterhaltern überlassen. Mit den bekannten katastrophalen Auswirkungen!

PMC: Dann ist Modellbau ja pädagogisch richtig sinnvoll. Worauf  müssen Eltern denn achten, wenn ihr Kind Interesse am Plastikmodellbau zeigt?

TP: Zunächst sollte ein geeignetes Modell ausgewählt werden. Kinder neigen dazu, sich die schönste Schachtel mit dem tollsten Bild rauszusuchen, mit oft verheerenden Folgen – sie sind überfordert, das Modell wird nicht fertig gebastelt, Schluss mit Modellbau, bevor ein einziges Modell gebaut wurde. Besser klein anfangen, ein Flugzeug im Maßstab 1:72 oder ein Auto in 1:43, wenn es ein Schiff sein soll z. B. die Titanic oder die Bismarck in 1:1200. Am Anfang zählen schnelle Erfolgserlebnisse. Die meisten Hersteller bieten auf der Schachtel einen Skill-Level, an dem man sich orientieren kann. Im Kindergarten- oder frühen Grundschulalter kommt als Einstieg auch ein Easykit oder ähnliches  in Frage. Nach dem Kauf gemeinsam mit dem Kind den Bau beginnen und von Anfang an auf ein geordnetes Arbeitsumfeld wert legen. Gebastelt wird nicht zwischen Mathebuch und Colaglas, sondern auf einer sauberen Unterlage, die auch einen Klecks Farbe oder Kratzer verträgt. Es wird nur wenig Werkzeug benötigt, dieses wird aber sauber aufbewahrt, vielleicht in einem kleinen Werkzeugkasten. Dann kann das Kind seine Bastelsachen auch mitnehmen, um bei Freunden zu basteln. Bei der Bemalung am Anfang nicht zu viel vornehmen. Bei Anfängermodellen stimmt oft schon die Grundfarbe des Kunststoffes, da lässt sich schon viel erreichen, wenn nur die Reifen und Sitze bemalt werden. Bei Verwendung von Acrylfarben gibt es keine Geruchsbelästigung. Viele Modellbaufarben kann man auch als kleine Sprühdose anschaffen, für einfarbige Lackierungen ist das absolut ok. Wenn die Eltern dann sehen, dass das Kind alleine klar kommt, können sie es alleine weiter basteln lassen und bei Bedarf helfen.

PMC: Welche Bausätze bewähren sich bei dir in der Schule für Anfänger?

TP: Wir werden von der Industrie zum Glück großzügig unterstützt. Wer noch nie ein Plastikmodell gebaut hat, bekommt zunächst ein einfaches Automodell von Heller im Maßstab 1:43, daran lernt man dann das Lesen des Bauplans, wie die Teile sauber vom Grat getrennt und verklebt werden und wie Decals (Nassschiebebilder, Anm. d. Red.) verarbeitet werden. Die Grundfarbe passt schon, aber die Felgen werden silber und Armaturenbrett und Reifen schwarz angemalt. Das sieht dann schon richtig gut aus. Dann kommt ein kleiner 1:72-Flieger von Revell an die Reihe. Ich verwende die Corsair, die Hellcat und die P-47. Der Flieger wird dann komplett lackiert und wer möchte, kann auch Grundtechniken an der Airbrush lernen.

PMC: Warum gerade diese drei Bausätze?

TP: Also, die haben alle eine einzige Grundfarbe, die Navy-Maschinen sind blau, die P-47 ist naturmetallen. Komplizierte Tarnmuster wären eher ungeeignet. Außerdem ist die Passgenauigkeit dieser drei Bausätze so gut, so dass nicht mit Spachtelmasse gearbeitet werden muss. Ich habe die alle drei einmal selber gebaut, das muss natürlich auch sein, und ich will mich auch nicht ständig umstellen müssen. Natürlich kämen noch weitere Modelle in Frage.

PMC: Wie sieht es mit fortgeschrittenen Modellbautechniken aus?

TP: Klar, es gibt Freaks. Wir haben Schüler, die zwei Schuljahre lang immer wieder in Plastikmodellbau gehen. Hätte ich auch so gemacht, wenn’s das an meiner Schule gegeben hätte. Ich habe mir von Revell die MiG 21 in 1:72 und die Spitfire in 1:48 kommen lassen, um auch den Fortgeschrittenen etwas zu bieten. Da lernen die dann z. B. auch verschiedene Alterungstechniken. Ich habe einen guten Kompressor und zwei Evolution-Airbrushs kaufen können, damit kann man natürlich richtig loslegen.

PMC: Nicht schlecht… manche Vereinsmitglieder wären froh…

TP: Eigentlich ist Modellbau doch ein billiges Hobby. Was kostet eine Trompete, eine Skiausrüstung, ein Computer, ein BMX-Rad oder eine Inliner-Ausrüstung? Wie oft muss das Equipment ausgetauscht und erneuert werden? Wer Modellbau ernsthaft betreiben will, braucht halt irgendwann eine Airbrush und einen Kompressor, das ist alles, die Ausrüstung hält Jahrzehnte, wenn man nicht an der falschen Stelle spart. Die weiteren Werkzeuge sind in den meisten Haushalten vorhanden oder haben Taschengeldpreise. Die laufenden Kosten bestehen aus den Bausätzen oder mal einem Farbdöschen. Wir bieten unseren Schülern Flatrate-Basteln: Modelle, Farben, Werkzeug, Airbrush – alles da, für 5 € Unkostenbeitrag im Halbjahr. Da fällt es vielleicht manchem hinterher leichter, sich zu Weihnachten wirklich mal das Airbrush-Equipment zu wünschen, wenn man vorher gesehen hat: jawoll, das ist mein Ding, das macht mir Spaß.

PMC: Du verwendest militärische Vorbilder…

TP: Nicht nur, die Automodelle sind ganz friedlich… aber da gab es auch noch nie Schwierigkeiten, weder mit Eltern noch Kollegen. In unserer Region lebt ja ohnehin fast jeder zweite Haushalt direkt oder indirekt von der Rüstungsindustrie, da können sich die Eltern schlecht beschweren, wenn die Kids einen Eurofighter basteln. Wir betreiben ja keine militärische Früherziehung oder ähnliches, beim Modellbau steht einfach die Faszination für das Original im Vordergrund. Ein Rallye-Auto ist für Schüler einfach spannender als Papas Golf, und wenn Luftwaffe und Lufthansa nebeneinander stehen, gilt meistens das gleiche. Im Übrigen handelt es sich ja nicht um “Kriegsspielzeug”, darauf lege ich schon wert. Ich versuche, den Schülern ein gewisses technikgeschichtliches Interesse beizubringen, und militärische Vorbilder üben da einfach eine riesige Faszination aus, zumal sie ja auch in der Regel technische Vorreiter sind. Zivilflugzeuge z. B. sehen sich alle vergleichsweise ähnlich, und dennoch, viele Schüler bringen auch Bausätze von zivilen Vorbildern mit. Trotz allem muss man klar sagen: Richtig, ein Eurofighter ist eine Waffe. Modellbau ist ja letzten Endes nur ein Abbild der Realität. Aber auf dem Fußballplatz, dem Computerbildschirm oder im Fernsehen herrscht mehr “Krieg”.

PMC: Das ist also kein Problem. Gibt es andere Schwierigkeiten?

TP: Hm. Stell dir vor, zwei Jungs gehen in den Spielzeugladen. Jeder darf sich für 5 € einen Flieger raussuchen. Der eine nimmt die Hellcat, der andere die Heinkel He 70. Gleicher Preis, gleiche Schachtel. Bei der Hellcat passt alles, kein Problem. Der andere hat leider eine “Niete” gezogen. Die Heinkel kommt aus einer uralten Matchbox-Form, da passt gar nichts, für einen Anfänger ein Bausatz zum abgewöhnen. Klar steht da ganz klein “Niveau 4” drauf, aber das nimmt kaum ein Kind wahr, da zählt vor allem das Bild auf der Schachtel. Deshalb ist hier die Enttäuschung fast vorprogrammiert. Natürlich kann man vom Hersteller nicht erwarten, dass die draufschreiben “Anfänger Hände weg, schlechte Passgenauigkeit!”. Aber vielleicht ließe sich doch deutlicher darstellen, für welche Zielgruppe der Bausatz gedacht ist. Unterm Strich verkauften sich so mehr Bausätze. Auch finde ich, dass der Sprung vom Easykit zum ersten “richtigen” Bausatz recht groß ist. Ich würde mir einen “pädagogischen” Bausatz wünschen, mit einer Anleitung, die Grundlegende Techniken erklärt, mehrfarbigen Spritzlingen mit mehr Bauteilen und höherem Schwierigkeitsgrad als beim Easykit. Das ganze in Verbindung mit 2-3 Acrylfarben und dem notwendigsten Werkzeug wäre die ideale Ausrüstung für Anfänger. Auch würde ich mir wünschen, dass der technische Wissensdurst der Kinder besser gestillt wird. Die Schüler kleben einen Tank an ihr Flugzeug und halten ihn für eine Bombe. Was ist das für eine komische lange Antenne, die jedes Flugzeug an der Tragfläche hat und die beim Basteln immer abbricht? Wie heißt die Welle zwischen Motor und Hinterachse? Das kostet nicht mal etwas, man müsste das nur in der Bauanleitung beschriften. Noch wichtiger als perfektionierte Bausätze sind für die Kids aber Eltern, die ihnen dieses Hobby ermöglichen und die Mängel des Bausatzes durch Rat und Tat beheben helfen. Da setze ich an.

PMC: Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei der Jugenbdarbeit!

Thomas Plösser und die Kids der Realschule Markdorf

PMC-Mitglied Klaus-Dieter Ernst beim “Meeting”

Modellbauwettbewerb 2007 an der Realschule Markdorf. Neben Pokal und Medaillen gab es Modellbausätze zu gewinnen.

© 2008 T. Plösser

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