|
PMC: Hallo Michael, schön daß du für unser PMC-“Spotlight” zur Verfügung stehst. Gleich zur ersten Frage: wie kamst du zum Modellbau?
MU: Zum Plastikmodellbau kam ich über das Hobby “Modelleisenbahn” meines Vaters. Der wollte mich partout nicht die Häuser seiner Anlage bauen lassen da diese damals, so1968, 1969, schon mehr kosteten als die üblichen Plastikbausätze. Also bekam ich von meinem Vater meine ersten Flugzeug-Bausätze damit ich was zu “basteln” hatte, und mein erstes Modell war ein Lindberg-Starfighter in 1/48 mit einem kleinen Elektromotor, welcher auf ein Ritzel arbeitete und ein sirrendes Geräusch erzeugte um das Triebwerk zu simulieren. Seitdem hab ich immer weitergebaut, ohne die üblichen schöpferischen Pausen wie Pubertät, Berufsausbildung usw.............mal mehr, mal weniger, aber eigentlich konstant ohne Unterbrechung.
PMC: Hast du Vorlieben für spezielle Sparten, Maßstäbe, Genres?
MU: Ich baue vorzugsweise alles was fliegt............Jets, Props...........alles was mir gefällt. Hauptsächlich im Maßstab 1/48 und 1/32. Durch die neuen Trumpeter-Bausätze auch mal 1/24, eher seltener in 1/72 und da dann was richtig großes wie KC-135 oder B-52. Gerne baue ich auch Militaria-Modelle, da man an diesen ganz ausgezeichnet Techniken, wie Darkwash, Drybrushing oder Alterungen ausprobieren kann. Ich lasse mich da sehr von anderen Modellbauern inspirieren. Es gibt im PMC Bodensee ein paar ganz hervorragende Automodellbauer oder auch weltklasse Militaria-Modellbauer. Die “beerbe” ich gerne um Techniken, welche ich dann bei für meine Flugzeugmodelle adaptiere.
PMC: Wie würdest du deinen “Level” bezeichnen.................Anfänger bist du nach fast 40 Jahren im “Business” keiner mehr!
MU: Anfänger kann man auch nach 40 Jahren noch sein. Entscheidend ist die persönliche Weiterentwicklung. Ich würde mich selbst mal als gehobene Mittelklasse bezeichnen. Von den vielen Modellbauern welche ich kenne sind einige erheblich besser als ich, was ich ohne weiteres anerkenne. Auch das gehört für mich dazu, erkennen wo die eigenen Grenzen liegen. Ich würde mir z.B. nicht zutrauen ein Modell “aufzuschneiden” oder extrem zu “zerlegen”.
PMC: Was macht für dich ein gut gebautes Modell aus?
MU: Zuallererst das Finish............und ich als Flugzeug-Modellbauer schaue natürlich immer genau auf die Ausführung der Kabinenrahmen, der Fahrwerke und der Räder! Meine Meinung zu einem “guten Modell” ist: das Bauen des gesamten Modells/ Bausatzes besteht ja aus mehreren Baustufen, und man muß eigentlich bei jeder einzelnen dieser Baustufen 100% geben um dann am Ende zu einem guten Modell zu kommen.
PMC: Du gehst ziemlich oft auf Ausstellungen und nimmst an Wettbewerben teil.............mit welchem Hintergrund?
MU: Zu Ausstellungen gehe ich zum Einen wegen dem Input den man bekommt, Anregungen, Inspiration und natürlich zum Zweiten wegen der tollen “Fachsimpeleien”. Außerdem lassen sich so alte Freundschaften “pflegen”, welche im Laufe der Jahre entstanden sind. Und man bleibt auf dem Laufenden betreffs neuer Bausätze, Publikationen usw. An Wettbewerben nehme ich immer dann teil wenn es sich anbietet, soll heißen wenn erst mal ein Wettbewerb stattfindet (leider gibt’s ja in Deutschland nimmer soo viele wirklich gute Wettbewerbe) und zum Anderen ich ein passendes, sprich neues Modell dabei habe. Gezielt für Wettbewerbe baue ich nicht, und ich stelle auch oft ein Modell in einen Wettbewerb wenn ich mir selbst eher geringe Chancen auf eine gute Platzierung ausrechne........ich halte es da eher mit dem olympischen Gedanken: Dabeisein ist alles! Das Highlight meines persönlichen “Modellbaujahres” ist natürlich immer Telford (Anm.d.Red: UK-Nationals in Telford, England) im November eines jeden Jahres..............der Wettbewerb dort gehört zu den Besten der Welt, was man da an qualitativ hochwertigen Modellen sieht ist schon schier unglaublich! Außerdem kann man dort Einkaufen ohne Ende...........Bücher, Zeitschriften, Zurüstsätze, Bausätze, einfach alles.........was es in Telford nicht gibt das gibt es einfach noch nicht! Besonders empfinde ich die Stimmung unter den Teilnehmern aus aller Welt. Da ist wirklicher “Team-Spirit”. Es berührt mich jedes Jahr aufs Neue ein Teil dieser Gemeinschaft, ohne Ländergrenzen, zu sein. Für mich ist Telford “DER” absolute Pflichttermin im Jahr, und jeder Modellbauer welcher sein Hobby einigermaßen ambitioniert betreibt sollte dort wenigstens einmal gewesen sein.
PMC: Du bist aufgrund deiner langjährigen “Modellbauerkarriere” und deiner Tätigkeit als Autor, so kann man ohne Übertreibung sagen, international bekannt. Du schreibst für internationale Modellbau-Magazine, du arbeitest ab und an als Schiedsrichter bei Wettbewerben (An.d.Red: unter Anderem in Telford)....................wie kam´s dazu?
MU: Das Ganze hat eigentlich zwei Hauptgründe. Der erste war daß ich ca. 1996 an einem Schiedsrichterkurs der IPMS-Deutschland teilnahm welcher mein weiteres modellbauerisches Schaffen nachhaltig geprägt hatte. Kernaussage des Kurses war daß ein Schiedsrichter nur richtig arbeiten und bewerten kann wenn zum Modell auch entsprechende Bauunterlagen, Originalfotos und Dokumentationen beiliegen. Des Weiteren habe ich im Laufe der Jahre gemerkt daß den Leuten “meine” Art Modell zu bauen irgendwie gefällt..............ich musste (und muss noch) immer wieder auf Ausstellungen viele Fragen zu meinen Modellen beantworten. Also habe ich begonnen zu jedem meiner Modelle eine äußerst ausführliche Dokumentation zum Bau anzufertigen und beizulegen. Ziemlich bald wurde ich dann von den ersten Redakteuren diverser Fachmagazine betreffs Artikel für ihre Publikationen angesprochen, und so entwickelte sich meine Tätigkeit als Autor. Geholfen hat mir bei meinen ersten Artikeln für Modellbau-Zeitschriften, dass ich in Modellbaukreisen auch für mein Fachwissen zu Sichtschutzabstrichen der deutschen Luftwaffe in der Zeit von 1935 bis 1945 bekannt bin. Zu diesem Thema habe ich schon einige Bücher veröffentlicht. Da ich ausnahmslos zu jedem meiner Modelle eine entsprechende Dokumentation verfasse (mein Beruf als technischer Redakteur bei der EADS kommt mir da natürlich entgegen) bin ich in der Lage relativ schnell den einzelnen Magazinen /Fachzeitschriften die passenden Artikel zu liefern.
PMC: Wie lange bist du Mitglied im PMC-Bodensee? Was bringt eine Mitgliedschaft in einem Modellbauclub dem einzelnen Modellbauer?
MU: Ich bin seit 1989 Mitglied im PMC, und eine kleine Anekdote hierzu sei mir genehmigt: ich habe seit meinem 13ten Lebensjahr, also seit 1976, den “ModellFan” abonniert, und deshalb war der “PMC-Bodensee” mir durch seine Aktivitäten und Beiträge im ModelFan ein Begriff. 1989 hatte ich eine Anstellung in Friedrichshafen bei Dornier gefunden (Anm.d.Red: heute EADS) und bei meinem ersten Arbeitstag in Friedrichshafen hatte ich genau 3 Adressen in der Hosentasche: die von Dornier (EADS), die von Siggi Bortzuzki’s “Plastik-Modellbau-Studio” (Anm.d.Red: langjähriger Vorstand des PMC-Bodensee, verst. 2004) und Klaus-Dieter Ernst als Kontaktanschrift des PMC-Bodensee. Wohnung hatte ich noch keine...............aber Mitglied im PMC-Bodensee war ich schon! Für mich ist eine Mitgliedschaft in einem Plastikmodellbau-Verein eigentlich ein unbedingtes Muß und jedem Modellbauer, welcher sein Hobby einigermaßen “ernsthaft” betreibt, nur zu empfehlen. Nur in einem Club herrscht ein Fluss an Information und Inspiration, man kann sich austauschen und man ist als “einsamer” Modellbauer von dem ganzen modellbauerischen Geschehen wie Ausstellungen, Messen, Fahrten zu Museen oder Betriebsbesichtigungen eigentlich ausgeschlossen.
PMC: Wie viele Modelle baust du etwa im Jahr, wie hoch ist deine “Rollout-rate”?
MU: Im Schnitt baue ich pro Jahr ca. 10 Modelle..............mal etwas mehr, mal etwas weniger. Im letzten Jahr waren´s – krankheitsbedingt – weniger als üblich, im kommenden Jahr möchte ich aber schon wieder etwas “ranklotzen”!
PMC: Deine aktuellen Projekte?
MU: Momentan auf dem Basteltisch habe ich eine F-105 von Trumpeter in 1/32, des weiteren ist geplant meine Sammlung von einmotorigen WW II- Modellen in 1/32 zu erweitern, außerdem wartet da eine JU-52 in 1/48 und noch einige andere Modelle, in einer, wie ich sage “sehr niedrigen Umlaufbahn”.
PMC: Herzlichen Dank!
|