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PMC: Hallo Ricardo, willkommen zum PMC-Spotlight..............wie kamst du zum Modellbau?

RG: Die genauen Umstände die mich dazu bewogen haben mich mit der Veredelung von Plastik zu beschäftigen sind mir heute nicht mehr ganz klar. Dafür war ich einfach zu klein. Mein erstes Modell baute ich mit 6 Jahren. Es war ein Learjet von Matchbox welches ich zum Geburtstag bekommen hatte. Weißer Rumpf und rote Tragflächen. Ich hatte es bekommen weil ich absolut in Flugzeuge vernarrt war. Unser Lieblingsausflugsziel war immer der Flughafen :-) Das war eigentlich der ausschlaggebende Punkt zum Start der Modellbaukarriere. Wenn man nicht immer zum Flughafen kann, bzw. dort nicht die Flugzeuge anzutreffen sind die man mag, muss man sich die Flugzeuge eben nach Hause holen. Das Flugzeug wurde auch sofort zusammengeklebt mit Alleskleber aus der Tube. Erstaunlicher weise hielt es die nachfolgenden Spielaktionen ca. eine Woche aus. Das nächste war dann eine Phantom in 1:144. Hier kamen zumindest die Decals drauf. Das hielt genauso lange, also beschlossen meine Eltern mir keine mehr zu kaufen. Richtig ernsthaft habe ich dann im Alter von 8 Jahren mit dem Modellbau angefangen. Hier baute ich nur Flugzeuge in 1:72 und 1:144, für mehr reichte mein Taschengeld nicht, da ich ja auch noch Bücher und Zeitschriften kaufen musste. Aus diesen Büchern und Zeitschriften lernte ich autodidaktisch. Ein Austausch mit anderen Modellbauern gab es nicht. Bei einem größeren Umzug sind dann alle meine Werke unwiderruflich zerstört worden. Es waren ca. 50 Modelle die ich in den 5 Jahren baute. Bis ins Alter von 16 Jahren betrieb ich das Ganze sehr intensiv, und baute auch den ein oder anderen Panzer, bis der Wechsel in die RC Fliegerei erfolgte. Hier war ich ebenfalls sehr aktiv. Auch hier baute ich nicht nur Baukästen, sondern es entstanden auch einige voll Scratch Modelle. Das Highlight war eine Cessna AG Wagon in Holz mit 1,8 Meter Spannweite, komplett Scratch. Dann kam die bei vielen Modellbauern bekannte "Modellbaupause", bedingt durch "Pubertäre Interessensverlagerungen". Der Fliegerei blieb ich aber weiterhin treu, diesmal aber bei den Echten als Segelflieger und Gleitschirmflieger. Seit einem Jahr hat mich das Modellbaufieber wieder gepackt. Angesteckt hat mich mein Sohn, der im Prinzip seine Modllbaukarriere ähnlich gestartet hat wie ich. Aus der Flugzeugleidenschaft wurde ein Bausatz und daraus die Modellbauleidenschaft. Jetzt bin ich gespannt wann bei Ihm die Modellbaupause eingelegt wird.

PMC: Vorliebe für spezielle Sparten, Genres oder Maßstäbe?

RG: Meine Vorliebe gilt in erster Linie den Flugzeugen in allen Maßstäben. Jeder Maßstab hat seinen Reiz und seine Besonderheiten. Das ist eine Abwechslung die ich brauche. Modellbauerisch fühle ich mich aber in so gut wie allen Sparten zuhause. Direkt nach den Flugzeugen reihen sich die Schiffe ein, die ich auch sehr gerne baue. Dann kommen die Militärfahrzeuge aller Epochen dran und seit dem Figurenmalkurs, der vom PMC und Marion angeboten wurde ( hierzu gibts einen Bericht und ein Video)    werde ich in Zukunft auch die eine oder andere Figur bauen. Das interessante am spartenübergreifenden Modellbau ist, das man eine Vielzahl an Techniken, die sonst in den einzelnen  Sparten isoliert Anwendung finden, auch spartenübergreifend einsetzen kann und dabei interessante Ergebnisse erzielt.

PMC: Wie würdest du deinen ”Level” bezeichnen?

RG: Mein Level würde ich, nach der langen Pause, als "Durchnittsmodellbauer mit Mut zur Lücke bezeichnen". Soll heißen, dass ich sehr experimentierfreudig bin und gerne neue Sachen ausprobiere.  Nach dem Motto "Was nicht passt wird passend gemacht", oder auch "Du kannst es dir vorstellen, also kannst du es auch bauen" scheue ich mich nicht vor Umbauten. Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe wird es halt gemacht.   Seit dem Wiedereinstieg vor ca. einem Jahr habe ich 15 Modelle fertig gestellt und es sind 4 gerade parallel im Bau. Meinen alten Level habe ich zwar noch nicht erreicht, aber man sieht die Entwicklung.

PMC: Die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.....was macht für dich ein ”gutes” Modell aus?

RG: Das ist eine durchaus nicht einfach zu beantwortende Frage. Prinzipiell ist für mich ein Modell gut, wenn die gesteckten Ziele bei der Erstellung erreicht worden sind, handwerklich gut ausgeführt ist und der Gesamteindruck stimmt. Auf 100 % Genauigkeit mit dem Original lege ich gar nicht soviel Wert, weil es sowieso nicht zu erreichen ist, alleine dadurch das sich nicht alles auf einen Maßstab reduzieren lässt. Auch die oft gelesenen Diskussionen ob der Farbton genau stimmt ist ein Kriterium das ich nicht nur albern finde sondern welches mich extrem stört. Wenn man nur ein wenig in der Literatur nachschaut wird man ziemlich bald feststellen das es fast nix gibt das es nicht gegeben hat. Gerade bei den Farben zu Kriegszeiten war man sehr erfinderisch und die Normen wurden schnell über Bord geworfen. Also Fazit: Mich beeindrucken handwerklich gute Modelle bei denen der Gesamteindruck stimmt.

PMC: Gehst du auf Ausstellungen und Wettbewerbe?

RG: Ich war bisher auf 2 Ausstellungen und habe bei zwei Wettbewerben mitgemacht. Ich kannte so was aus meiner früheren Zeit überhaupt nicht.Seit ich beim PMC bin bzw. über die diversen Foren habe ich erfahren dass es so was überhaupt gibt. Die Ausstellungen haben mir super gut gefallen, so dass für kommendes Jahr mein Terminkalender voll mit Ausstellungsterminen ist. Bei den Wettbewerben bin ich noch gespaltener Meinung. Der erste Wettbewerb war die Vereinsmeisterschaft. Das ist für mich ein nettes Event bei dem ich des Spaßes halber ohne Ambitionen mitmache. Der zweite Wettbewerb lief im Rahmen der Faszination Modellbau dieses Jahr, wo ich unerwarteter weise 3 Bronzemedaillen bekommen habe. Das war schon ein tolles Gefühl. Nichts desto trotz bin ich Wettbewerben gegenüber nicht so aufgeschlossen. Ich mache Modellbau aus Spaß. Bei Wettbewerben geht der Spaß oft im Ehrgeiz unter. Die vorherige Frage zeigt auch was ich so problematisch an Wettbewerben finde. Nach welchen Kriterien soll ein Modell bewertet werden? Ist ein riesengroßes Modell welches alleine schon durch die Größe imponiert besser als ein kleines Modell, dessen Aufwand und Schwierigkeit nicht gleich ins Auge springt? Ich werde mit Sicherheit, wenn sich die Gelegenheit ergibt auch in Zukunft an Wettbewerben Teilnehmen, mit den Modellen die ich sowieso gebaut habe. Ambitionen irgendjemandem was beweisen zu wollen habe ich da nicht.

PMC: Wie lange bist du Mitglied im PMC-Bodensee?......würdest du eine Mitgliedschaft in einem Club empfehlen?

RG: Ich bin ganz frisch beim PMC-Bodensee. Ich habe den PMC auf der Modellbaumesse in Friedrichshafen Ende 2008 kennen gelernt. Eigentlich mag ich keine Vereine, da Vereinen ja der Makel  der "Vereinsmeierei" anhaftet. Anfang 2009 habe ich mich dann dazu durchgerungen beim PMC-Clubabend mal vorbeizuschauen und mir mal ein eigenes Bild zu machen.  Ich war sofort vom Verein angetan und wurde gleich Mitglied. Seit dem habe ich es keine Sekunde bereut eingetreten zu sein. Der Austausch, welcher im Verein statfindett ist mit keinem Forum der Welt zu kompensieren.

PMC: Deine aktuellen Projekte bzw. Projekte für die Zukunft?

RG: Ui, Projekte habe ich viele.... im Bau und auch geplant. Der Modellbauer gehört ja zu der Gattung der "Jäger und Sammler",so dass sich ein ordentliches Modellbaukastenlager angehäuft hat.   Aktuell habe ich noch 3 offene Projekte: ein Diorama, das eine Szene aus dem Film "Der Letzte Countdown" nachstellt, bestehend aus 2 F-14 Tomcat und 2 Mitsubishi Zero im Maßstab 1:144 und der Flugzeugträger Nimitz in 1:800, eine Tomcat ist fertig, die zweite zu 60% fertig.  Dann noch im Maßstab 1:35 ein Diorama mit dem Halbkettenfahrzeug SdKfz 11/4 Nebelkraftwagen und BMW K75 mit Seitenwagen.Eine DeHavilland Mosquito in 1:48  und eine Junkers J1 im Maßstab 1:32 befinden sich gerade im Bau. Diese Projekte werden den Jahreswechsel noch als Baustelle erleben.   Für kommendes Jahr sind dann 5 weitere Projekte fix gesetzt und den Rest lasse ich mir gerne offen. Ich denke nächstes Jahr werden es dann auch ca. 10 Modelle werden.

PMC: Herzlichen Dank!

 

© PMC-Bodensee e.V. 2009

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